Dienstag, 27. November 2012

Trainingsetappe: Bei Besuch im Sitz bleiben


In den letzten Wochen hatte ich das Glück mit Tyson ausgiebig trainieren zu können. Wir bekamen viel Besuch und ich muss sagen: Ich bin sehr stolz auf meinen Hund!

Nachdem ich versucht hatte, die Begegnung des Besuchs in der Küche zu arrangieren, war ich gnadenlos gescheitert. Tysons Erregungsniveau steigerte sich ins Unermessliche, wenn ich an die Haustür ging, die er von der Küche aus nicht sehen konnte. Das Begrüßen des Besuchs wurde also schon durch lautstarkes Bellen aus der Küche unterbrochen. Wenn ich den Besuch dann in die Küche bat, hatte ich einen vor Erregung zitternden Hund vor mir, der kaum zu beruhigen war.

Ich musste es also anders versuchen. Die erste Versuchsperson wurde ungewollt ein Handwerker, der wegen meiner Waschmaschine kam. Der Plan war folgender: Hund ins Wohnzimmer direkt der Wohnungstür gegenüber auf den Teppich im Sitz - gesichert mit Geschirr, falls er aufspringen und ich eingreifen musste. In der einen Hand hielt ich den Clicker und die Fleischwurst, die andere Hand blieb zum Eingreifen frei.

Um das Ganze näher zu verstehen, muss man den Ablauf kennen, mit dem sich Besuch ankündigt. Zuerst die Klingel, auf die Tyson zum ersten Mal anspringt. Wodurch er jedoch wirklich hochgepusht wird, ist das Türsurren, wenn ich auf den Türentsperrer drücke. Für alle, für die das nicht deutlich genug war: In Mehrfamilienhäusern gibt es einmal die Haus- und dann die Wohnungstür. In meiner Wohnung befindet sich ein Knopf mit dem ich die Haustür entriegeln kann, damit der Besuch den Hausflur betreten kann. Dies erzeugt ein Geräusch - eine Art Surren. Auf das Surren folgt das Geräusch, wenn die Haustür geöffnet wird. Und darauf reagiert Tyson sehr stark.

Mein Plan:
Es klingelt - Click!. Es surrt: Click. Tyson wird zum Teppich begleitet direkt gegenüber von der Wohnungstür, damit er alles im Blick hat. Ich öffne die Wohnungstür, Tyson sieht den Besuch: Click! Der Besuch kommt rein: Click! Von dort an wird alles was der Hund an erwünschtem Verhalten zeigt, gnadenlos geclickt!

Nach dem Clicken erfolgt für Tyson eine Belohnung in Form eines besonders leckeren Schmackerls. Fleischwurst, Hähnchenbrust, etc.

Mein Ziel ist es, dass mein Hund mir  in der Situation die Führung überlässt und Besuch entspannt gegenüberstehen kann.

Zurück zum Handwerker: Tyson hat das ganze mit Bravour hinter sich gebracht. Er bellte und wollte aufstehen aber auf das Click war die Aufmerksamkeit sofort bei mir und er blieb Sitzen. 

Das Clicken hat in dem Fall zwei Funktionen.

1. Es löst positive Emotionen aus (Voraussetzung dafür ist die sichere Konditionierung darauf!!)
2. Es zeigt an, dass er etwas gut macht.

Wir haben es hier also sowohl mit operanter als auch klassischer Konditionierung zu tun.

Zurück zur Situation:

Der Handwerker durfte ungestört zur Waschmaschine und verließ Tysons Blickfeld. Ich blieb bei ihm, lobte ihn. Irgendwann sank er ins Platz und ich fing an, ihn zu massieren, um ihn weiter zu entspannen.
Der Handwerker musste indes nochmal raus, um etwas zu holen. Tyson blieb im Platz und schaute nur - vollkommen entspannt. Ich wusste, dass der Handwerker gleich wieder kommen würde und griff nach dem Clicker. Als dieser dann erneut die Wohnung betrat (Tyson mittlerweile wieder im Sitz), sah ich wie Tyson die Lefzen spitzte, um das Bellen anzufangen. Ein Click - und er blieb ruhig und ich hatte seine Aufmerksamkeit erneut. Sein Erregungsniveau war immer noch relativ niedrig und so bedurfte es auch nicht mehr. Als der Handwerker gehen wollte, ließ ich Tyson nochmal hin. Er begrüßte den Handwerker freundlich und ließ sich streicheln - Situation optimal bewältigt!

Ich bin sooo stolz!!!

Das hört sich jetzt alles so einfach an... und das war es auch. Das war die erste Begegnung mit diesem Trainingsplan und es funktioniert fantastisch!! Vorher war Tyson nicht zu beruhigen, er bellte und ging an dem Besuch hoch - es war nicht richtiges Anspringen, aber doch bedrohlich. Aber mit Hilfe des Clickers blieb er zumindest sitzen!

Ein Hoch auf den Clicker!

Jetzt müssen wir nur am Ball bleiben!

Sonntag, 11. November 2012

The Beginning

Tyson kam am 01. Januar 2008 zu mir.



Er war 7 Monate alt, ist ein Mischling aus Labrador und Golden Retriever - und war bereits ein Wanderpokal. Ich bin die fünfte Besitzerin. Dies hatte seine Spuren an ihm hinterlassen. Sobald ich das Haus verließ, geriet er in Panik. Er bellte anhaltend und zerstörte alles, was ihm zwischen die Zähne kam. Kosmetikartikel, Schreibutensilien, eine Kamera und etliche Schuhe.
Zusätzlich zu diesem Problem traten die alterstypischen Querelen auf. Er testete mich, immer und immer wieder. Er wälzte sich in Gülle, fing an zu jagen, klaute Knochen, die er auf dem Feld fand und rannte weg.
Außerdem entwickelte er Unsicherheiten gegenüber Spaziergängern und Spaziergängerinnen jeglicher Art. Dies äußerte sich daran, dass er hinlief, 3-4 Meter vor ihnen stehen blieb und bellte. Die einzige Ausnahme waren Fahrradfahrer. Vermutlich waren sie schnell genug weg, um in ihm Erregung auszulösen.

Ich wusste nicht, wie ich das alles hinbekommen sollte, doch ich wusste, wie ich es nicht tun würde. Dem Thema Unterwerfung, Rangordnung und Dominanz hatte ich schon lange Zeit abgeschworen. Die Folgen eines solchen Umgangs mit dem Hund hatte ich bereits mit anschauen müssen.
Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Da ich keine geeignete Hundeschule fand, versuchte ich es mit Kreativität. Das Knochenproblem bekam ich in den Griff, in dem ich eine durchsichtige Dose mit einem roten Deckel mitnahm, in dem ich Salami aufbewahrte. Ich übte mit Tyson Tricks, die er schon konnte, und gab ihm dann aus der Dose die Salami. Tyson hatte es sofort raus. Als er das nächste Mal einen Knochen am Feld fand, musste ich nur die Dose aus der Tasche holen. Er war sofort bereit zu tauschen.


Doch nicht immer ging es so einfach ab. Das Problem mit dem Allein sein bekam ich nicht in den Griff. Schließlich musste ich aus Studiengründen den Wohnort wechseln und zog in eine WG. Dort zeigte sich das Problem genauso stark wie zuvor. Auffällig war, dass sich Tysons Zerstörungswut nur auf meine Sachen richtete - die Sachen meiner Mitbewohner wurden nicht angerührt. Ich versuchte, allerdings nur halbherzig, einige Tipps, die ich im Internet las, doch nichts half. Ich plante meinen Tagesablauf so, dass ich ihn stärker auslastete bevor ich das Haus verließ. Dies führte dazu, dass er zumindest eine kurze Zeit alleine blieb. So zum Beispiel, wenn ich einkaufen musste. Die Stunden, die ich in der Uni verbrachte, waren jedoch zu viel für ihn. Da ich es nicht anders regeln konnte, fing ich an ihm Kartons mit Papiermüll hinzustellen, den er zerrupfen konnte. Und nach einem dreiviertel Jahr löste sich das Problem von selbst auf.
Heute weiß ich, wie ich es besser hätte machen können.

Das Problem mit den Menschen ging ich ebenfalls an. Ich ging mit ihm eine Zeit lang nur noch mit Schleppleine spazieren. Bei Menschen wurde er generell abgerufen und belohnt. Dies führte dazu, dass sich das Kommando "Komm mal her" zuverlässig festigte. Nach einer ganzen Weile konnte ich ihn wieder laufen lassen. Abrufen tat ich ihn trotzdem bei jedem Menschen und tue dies auch immer noch.

Das Jagdproblem versuchte ich ebenfalls mit der Schleppleine in den Griff zu bekommen. Heute macht er zumindest an der Leine zuverlässig Sitz bei auftretendem Wild.

Bei all diesen Problemen lehrte mich mein Hund eine Sache: Mit positiver Verstärkung und liebevoller Konsequenz kommt man immer noch am weitesten. Strafe und Gewalt jedoch zerstören das Vertrauen und schädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund.



Tyson und ich haben immer noch nicht alle Probleme gelöst. Doch wir arbeiten daran. In diesem Blog werde ich das Training schildern. Er soll mich motivieren und den anderen Menschen da draußen Mut machen, ihren Hund verstehen zu lernen.