Zusätzlich zu diesem Problem traten die alterstypischen Querelen auf. Er testete mich, immer und immer wieder. Er wälzte sich in Gülle, fing an zu jagen, klaute Knochen, die er auf dem Feld fand und rannte weg.
Außerdem entwickelte er Unsicherheiten gegenüber Spaziergängern und Spaziergängerinnen jeglicher Art. Dies äußerte sich daran, dass er hinlief, 3-4 Meter vor ihnen stehen blieb und bellte. Die einzige Ausnahme waren Fahrradfahrer. Vermutlich waren sie schnell genug weg, um in ihm Erregung auszulösen.
Ich wusste nicht, wie ich das alles hinbekommen sollte, doch ich wusste, wie ich es nicht tun würde. Dem Thema Unterwerfung, Rangordnung und Dominanz hatte ich schon lange Zeit abgeschworen. Die Folgen eines solchen Umgangs mit dem Hund hatte ich bereits mit anschauen müssen.
Aber dazu ein anderes Mal mehr.
Da ich keine geeignete Hundeschule fand, versuchte ich es mit Kreativität. Das Knochenproblem bekam ich in den Griff, in dem ich eine durchsichtige Dose mit einem roten Deckel mitnahm, in dem ich Salami aufbewahrte. Ich übte mit Tyson Tricks, die er schon konnte, und gab ihm dann aus der Dose die Salami. Tyson hatte es sofort raus. Als er das nächste Mal einen Knochen am Feld fand, musste ich nur die Dose aus der Tasche holen. Er war sofort bereit zu tauschen.
Heute weiß ich, wie ich es besser hätte machen können.
Das Problem mit den Menschen ging ich ebenfalls an. Ich ging mit ihm eine Zeit lang nur noch mit Schleppleine spazieren. Bei Menschen wurde er generell abgerufen und belohnt. Dies führte dazu, dass sich das Kommando "Komm mal her" zuverlässig festigte. Nach einer ganzen Weile konnte ich ihn wieder laufen lassen. Abrufen tat ich ihn trotzdem bei jedem Menschen und tue dies auch immer noch.
Das Jagdproblem versuchte ich ebenfalls mit der Schleppleine in den Griff zu bekommen. Heute macht er zumindest an der Leine zuverlässig Sitz bei auftretendem Wild.
Bei all diesen Problemen lehrte mich mein Hund eine Sache: Mit positiver Verstärkung und liebevoller Konsequenz kommt man immer noch am weitesten. Strafe und Gewalt jedoch zerstören das Vertrauen und schädigen die Beziehung zwischen Mensch und Hund.
Tyson und ich haben immer noch nicht alle Probleme gelöst. Doch wir arbeiten daran. In diesem Blog werde ich das Training schildern. Er soll mich motivieren und den anderen Menschen da draußen Mut machen, ihren Hund verstehen zu lernen.
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